Überbordende Fülle im Sommer 2021

Jetzt ist er da, der Sommer, unbestreitbar. Überbordende Fülle, wohin man schaut. Es ist wirklich unglaublich, was in nur eineinhalb Jahren möglich ist ...

Jetzt ist er da, der Sommer, unbestreitbar. Überbordende Fülle, wohin man schaut. Es ist wirklich unglaublich, was in nur eineinhalb Jahren möglich ist.

Die breite Seite der Dachterrasse im Juni 2021
Die breite Seite der Dachterrasse im Juni 2021

Im Oktober 2019 sind wir hier eingezogen und ich habe die Außenkübel von allerlei wildem Kraut und einigen dürren Koniferen befreit und mit Erde, die mein Herzmensch sackweise hier die Treppen hoch geschleppt hat, aufgefüllt. Den „Rasen“ in den Kübeln hab ich umgedreht als Basis in den Thermokomposter gelegt – eine gute Entscheidung.
Weil ich nicht warten konnte, wurde der an der Hauswand stehende Kübel mit einer Ährigen Felsenbirne und Astern bepflanzt. Und die Kühlkeimer wurden gesät – die Basis der heutigen 5 Präriekübel. Ich hab die Bilder vor meinem inneren Auge gesehen, wie meine kleine Prärie im Sommer überquillt – Farben, Düfte, sich im Wind wiegende Gräser, Sumsi & Brumsi.
Achtung, Spoiler-Alarm: Es hat geklappt und es ist ein Traum.

Im Frühjahr 2020 ging es dann los mit Sträuchern pflanzen, um in naher Zukunft der vollsonnigen heißen Dachterrasse im Sommer zu einem angenehmeren Klima zu verhelfen. Dazu einige Stauden – und ich habe gesät wie eine Wilde, Stauden zur Herbstpflanzung. Und wieder hat der Herzmensch Erdsäcke geschleppt.
Ach ja, und tausend Wurmlinge (Kompostwürmer) sind eingezogen. Die sind übrigens ziemlich agil 😊. Wenn ich einen Pott verschiebe, sind welche drunter … Wenn es regnerisch ist, gehen die aus ihrem Kompost auf die Wanderschaft – sie sind überall. Ob die mit dem Brain verwandt sind?
Im darauffolgenden Herbst wurden Blumenzwiebeln gepflanzt – viele sind nix geworden, weil der falsche Standort – auch als Pflanzen-Nerd lernt man dazu 😊. Die 75 Kugellauche haben sich allerdings mehr als gelohnt, wie man jetzt sieht.


Die Jungstauden, die über den heißen Sommer gehätschelt wurden, sind in ihre Pöttlinger gezogen – etliche davon in Muttis Garten, weil einfach viel zu viele. Hab ich schon gesagt, dass Selbersäen unermessliche Fülle bedeutet? Und zwar für wenig Geld? Und die Meditation beim Vereinzeln der Winzlinge gibt es kostenlos noch obendrauf. 😊

Was soll ich sagen … hat es sich gelohnt? Welche Frage … so sinnfrei, wie nur Menschen denken können. Jedes Schleppen, jedes Zupfen, jedes Gießen, jede einzelne Sekunde dessen, was manche Menschen „Arbeit“ nennen – für mich aber die pure Freude & Lust ist, hat sich nicht nur fürstlich gelohnt – es ist unfassbar, was man in so kurzer Zeit an Fülle, an Leben erschaffen kann – selbst erschaffen. Schöpfer im wahrsten Sinne dieses Wortes.

Die Mannstreu-Blüten sind heiß umschwärmt, u.a. von der “stahlblaue Grillenjägerin”, eine Wespenart.

Das oft in „meinen“ Gartengruppen gelesene „dieses Jahr ist es so tot, keine Insekten“ – kann ich nicht bestätigen. Es tobt das pure Leben und ich habe dieses Jahr Brummer gesehen, die ich noch nie gesehen habe – nicht einmal da, wo wir vorher wohnten, direkt an Wald & Wiese. Wir sind hier wohlgemerkt auf einem wenn auch großen Balkon in einem Gewerbemischgebiet mitten in der Industriestadt Ludwigshafen/Rhein. Es summt und brummt und kreucht und fleucht. Die Basis dessen ist das oben Beschriebene, eine Fülle von Blühpflanzen, Naturdünger & Kompost, keinerlei Gifte und alle Tiere dürfen leben – auch die Blattläuse, die im Übrigen die Basis der Nahrungskette bilden … für Insekten & Vögel. Wir haben in unserem Thermokomposter sogar Schnecken – Nacktschnecken und kleine Gehäuseschnecken. Letztes Jahr hat sich sogar ein riesiger Tigerschnegel hier rauf verirrt (siehe Beitrag von September 2020).

In diesem Sinne wünsche ich Euch wunderschöne sonnige und regnerische Sommertage (wer Blumen will, muss Regen lieben). Abends auf dieser Dachterrasse zu sitzen, dem letzten Summen & Brummen zu lauschen, ist wie Meditation. Und wenn man dann durch einen wilden Schrei aus seiner Ruhe herausgezogen wird, dann sind das die Schwalben, die hier jagen – und die letztes Jahr noch nicht hier waren. Nun ja, da war es ja hier auch noch recht tot – im Vergleich zu jetzt. Zwar hatte ich natürlich schon Blumen – aber die wirkliche Fülle an insektenfreundlichen Blüten – und damit auch Massen an Insekten – die gibt es „erst“ jetzt, nach eineinhalb Jahren.

Herzensgrüße Bettina 😘

P.S.
Zur Frage, was in den Präriekübeln gepflanzt ist. Aaaalso, das sind:
Agastache rugosa, Agastache foeniculum, Kugellauch (A. sphaerocephalon), 5 verschiedene Echinacea-Arten (E. pallida, E. paradoxa, E. purpurea Alba, E. purpurea, E. tennessense), Kaschmir-Katzenminze, Indianernessel (Monarda fistulosa), Ehrenpreis (Veronica spicata), Amerikanische Bergminze und in einem de Kübel noch Allium Purple sensation (schon verblüht) und ein Blutstorchschnabel Apple blossom, dazwischen Liebesgras & Tautropfengras.
(Bis auf den Storchi und die Gräser, die von Gaißmayer sind, hab ich alles selber gesät. Samen sind von Saatgut-Vielfalt.de.)

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