Spätsommer & Herbst 2020 – Beglückender Saisonausklang

Meine Augen erfreuen sich an der Blüten-Vielfalt, meine Nase an duftenden Schönheiten und mein Gaumen, wenn ich knackfrische Radieschen oder Salat, die vor Nährstoffen strotzen, mit rein nehme, Kräuter pflücke, an Blumen und/oder Kräutern rieche – und danach ins Bad schlappe und meine rabenschwarzen Hände wasche Das Leben ist schön ...

August 2020

Ich habe gerade einen tollen Beitrag von Summende Gärten gelesen. Darin stand, dass unsere Gärten und Balkone einen großen Unterschied machen – und zusammen ein großes Netzwerk bilden können und teilweise tun. Jeder Blumenkübel zählt, sofern er nicht mit „Geranien“ bepflanzt ist, sondern mit etwas, wovon die Summer & Brummer & Gaukler leben können – und das auch noch zum Saisonausklang im Spätsommer und Herbst.

Und JA, der Unterschied ist gewaltig. Wir sind erst im Herbst hierher gezogen, hier war es tot auf der wunderschönen 55 qm-Dachterrasse … Jetzt ist es ein wunderbares Leben spendendes Gebilde geworden. Hier ist so viel Leben, das ist unfassbar. Gestern erst entdeckt:  ein Tigerschnegel ❤ – ich hatte schon eine Fledermaus, viele Vögel, Bienen, Wildbienen, Hummeln, Wespen, Schmetterlinge – und auch Raupen, Blattläuse & Co. – alles lebt mit uns gemeinsam in Co-Existenz. Alleine im Thermo-Komposter, das ist für mich verblüffend, neben den gekauften Wurmlingen leben dort viele kleine Falter, ich tippe auf Nachtfalter, weil sie ganz hektisch werden, wenn ich den Deckel aufmache und ihnen die Sonne auf die Flügel scheint 😊. Auch eine Spinne hat ihr Nest dort und fängt so Fruchtfliegen – und wohl auch einige der kleinen Falter. Wenn ich rausgehe oder durch das Fenster schaue, da ist so viel Flugverkehr, das ist unfassbar.

Ehrlich, das macht glücklich, es macht mich richtig glücklich, wenn ich rausgehe, die Finger ohne Handschuhe in die Erde stecke, Ungepflanztes entferne, das ich nicht haben mag, Verblühtes (gezielt, nicht wahllos …) abschneide, mit dem Schlauch die verbrannte Erde wässere, so vieles entdecke, den Wandel der Jahreszeiten direkt vor der Nase habe.

Meine Augen erfreuen sich, meine Nase und mein Gaumen, wenn ich knackfrische Radieschen oder Salat, die vor Nährstoffen strotzen, mit rein nehme, Kräuter pflücke, an Blumen und/oder Kräutern rieche – und danach ins Bad schlappe und meine rabenschwarzen Hände wasche 😊. Das Leben ist schön.

Die Präriekübel haben übrigens gute Karten, die gesäten Pflanzen sind EXPLODORISCH gewachsen 🙂. Und Gräser dazu hab ich bei Gaißmayer bestellt 😁

Oktober 2020

Der Sommer hat fertig und der Herbst klopft laut und deutlich an unsere Türen. Viel habe ich im September geschafft, meine Präriekübel sind fertig, die vielen, vielen selbstgezogenen Babys sind an ihren geplanten Plätzen eingezogen und viele, viele, viele 😉 sind mangels Masse an Töpfen und Platz in Muttis großen Garten gezogen. Die hat das Wachstum beobachtet und ist auf den Geschmack an selbstgesäten Blümchen gekommen – ohne dies selbst machen zu wollen 😊. Und – das kennt wohl jeder Pflanzenverrückte: Sie kann schlecht Nein sagen. Gestern fragte ich sie: „Willst Du weiße Akeleien, ich hab zu viele.“ Ein Runzeln, ein Nachdenken, noch ein Nachdenken, die Nachfrage „weiße Akeleien?“ und dann ein lautes „JA“.

Vieles von dem im Herbst und Frühjahr Gepflanzten habe ich umgesetzt, weil es mir nicht gefiel oder es einfach explodorisch unterwegs war.

Vieles habe ich gelernt – Grünkohl ist hier nicht, es ist einfach zu heiß und zu trocken hier bei uns. Ich hab noch nie, ehrlich, noch nie so viele Blattläuse an einem Blatt gesehen, die waren übereinander gestapelt. Also – hinfort damit. Salate, Radieschen, Kohlrabi, Kräuter – das wächst alles wie die Wutz. Die Grünkohle sind also zu den Wurmlingen im Komposter gewandert und werden glorreich ersetzt.

Vom Grünkohl abgesehen: Ein natürliches Gleichgewicht stellt sich sogar auf einem Balkon ein, wenn man Natur sein lässt … und auch diese kleine Fläche als natürlichen Lebensraum gestaltet – ja, das geht – und schön und interessant und spannend zu beobachten und inspirierend ist es noch dazu! 🥰

Der Versuch, die im Mai/Juni so traumschön blühenden Bartfäden zum Remontieren zu bringen, hat gefunzt – gerade jetzt, Ende September, blühen die lila noch einmal in voller Pracht.

Und die Artischocke – sie beglückt mich wirklich. Sie kam spät, aber angesichts dessen, dass sie erst im März gesät wurde, sei ihr das verziehen. Sie blüht und hat sogar 2 Knospen, von denen die erste jetzt vollkommen aufgeblüht ist. Ich hoffe, ich bringe sie gut über den Winter, dann kann ich nächstes Jahr schon im Juli ihre Pracht erleben. (Nachtrag: Sie hat den Winter nicht überlebt und ich säe auch keine mehr. Sie braucht einen riesigen Kübel, und zwar das ganze Jahr über. Und für die kurze Zeit der Blüte … da mach ich lieber anderes in diesen riesigen Pott.)

Vieles durfte ich erleben diesen ersten Sommer. Seit Mai habe ich keinen Salat mehr gekauft und nur ganz wenige Radieschen, Kräuter sowieso nicht.

Und so vieles hockt schon in den Startlöchern – jetzt säe ich noch Spinat und Winterkopfsalat (hier ist es ja mild), der Endivien wächst und gedeiht, der Bataviasalat, den ich im August gesät habe, schmeckt superlecker. Wir sind noch eine ganze Weile versorgt. Kohlrabi reichen auch noch ein Weilchen 😊. Das Basilikum schneid ich jetzt ab und friere es ein – das ist eine unfassbare Masse. Die Petersilie darf noch draußen bleiben.

Und ja, dann geht demnächst das Samentauschpaket auf Reisen in der Bio-Balkon-Kongress-Gruppe und ich freue mich schon, wenn ich die Kühlkeimer säen kann. Samen sind auszusuchen für Tomaten und vielleicht eine neue Gemüse-Erfahrung. Und Blumensamen hab ich noch eine gaaaaaaaaaaaanze Menge.

Novemberblüten 2020

Der Herbst ging leise in den Winter über und trotzdem gibt es noch einiges zu sehen: Novemberblüten – gar nicht mal so wenige, wenn man bedenkt, dass die Dachterrasse erst im Frühjahr bepflanzt wurde und fast alle Stauden selbst aus Samen gezogen wurden. Dazu gibt es buntes Laub, schöne Silhouetten der Sträucher und die feinen Halme und Samenstände der Gräser, allen voran die Rutenhirse, und natürlich viele, viele Samenstände der Stauden.

Die Untersetzer der Kübel habe ich umgedreht, damit die Kübel sich nicht permanent mit Wasser vollsaugen – das würde den Stauden nicht so gut bekommen. Dabei habe ich unter jedem von ihnen einige der Wurmlinge aus dem Komposter gefunden, die unter die Kübel gezogen sind – was ich verblüffend finde. Ich hatte im August etwas von dem halbverrotteten Wurmkompost in einen Korb zum Düngen gegeben – und von dort sind einige wohl weitergezogen. Und sie leben, denn sobald man ihnen den Deckel anhebt, fangen sie an, sich zu bewegen 😊.

Anfang November hab ich noch mal gesät – Spinat, der wächst so langsam vor sich hin. Winterkopfsalat – dito. Radieschen – gekeimt. Rucola – ist am Keimen. Kerbel – dito. Feldsalat – keimt auch. Im Kühlschrank harren die Samen der Kühlkeimer der Dinge, die da bald kommen, und ich scharre schon mit den Hufen.

Auch Dezemberblüten wird es geben, die amerikanische Bergminze blüht noch immer, die Bartfäden haben noch einige Blüten, einige der Nelken haben dicke Knospen, die wohl bei einem Wärmeeinbruch aufgehen werden und der Winterjasmin hat gestern seine ersten Blüten geöffnet. Karl Försters Anweisung: „Es wird durchgeblüht!“, wird also hier wohl Folge geleistet – denn der Winterjasmin blüht bis in den Februar, der Rosmarin hat auch schon Knospen, dann wird auch schon die Mandel kommen und danach die Frühlingsblüher 😊.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine besinnliche Zeit – ich verbringe diese wie jeden Winter mit dem Schmökern im Internet und dem Lesen von vielen Pflanzen- und Gartenbüchern.

In diesem Sinne – eine schöne Zeit

Bettina 😘

Bettina
Bettina
Artikel: 26

2 Kommentare

  1. […] Erfahrung weiter: Wo wir vorher wohnten, gab es viele Nacktschnecken – die roten und auch Tigerschnegels. Wir wohnten direkt an Wald und Wiese. Rittersporn, Hosta, Salat – schneller gefressen, als […]

  2. […] Das oft in „meinen“ Gartengruppen gelesene „dieses Jahr ist es so tot, keine Insekten“ – kann ich nicht bestätigen. Es tobt das pure Leben und ich habe dieses Jahr Brummer gesehen, die ich noch nie gesehen habe – nicht einmal da, wo wir vorher wohnten, direkt an Wald & Wiese. Wir sind hier wohlgemerkt auf einem wenn auch großen Balkon in einem Gewerbemischgebiet mitten in der Industriestadt Ludwigshafen/Rhein. Es summt und brummt und kreucht und fleucht. Die Basis dessen ist das oben Beschriebene, eine Fülle von Blühpflanzen, Naturdünger & Kompost, keinerlei Gifte und alle Tiere dürfen leben – auch die Blattläuse, die im Übrigen die Basis der Nahrungskette bilden … für Insekten & Vögel. Wir haben in unserem Thermokomposter sogar Schnecken – Nacktschnecken und kleine Gehäuseschnecken. Letztes Jahr hat sich sogar ein riesiger Tigerschnegel hier rauf verirrt (siehe Beitrag von September 2020). […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert