Pulsierendes Leben im Sommer

Wie war mein Sommer? Summmend, flatternd, pulsierend, überbordend, bunt, duftend … Eine Dachterrasse mitten in einem Gewerbemischgebiet der Industriestadt Ludwigshafen am Rhein. Im dritten Jahr. Es ist unglaublich, was in so kurzer Zeit passiert. Wenn ich mir die Fotos vom Frühjahr und Juni anschaue – und dann die jetzigen vom Sommer, dann staune ich. Es ist wirklich berauschend ...

Wie war mein Sommer? Summmend, flatternd, pulsierend, überbordend, bunt, duftend … Eine Dachterrasse mitten in einem Gewerbemischgebiet der Industriestadt Ludwigshafen am Rhein. Im dritten Jahr. Es ist unglaublich, was in so kurzer Zeit passiert.
Wenn ich mir die Fotos vom Frühjahr und Juni anschaue – und dann die jetzigen vom Sommer, dann staune ich. Es ist wirklich berauschend.

Rückblick

Im Oktober 2019 sind wir hier eingezogen und ich habe die Außenkübel von allerlei wildem Kraut und einigen dürren Koniferen befreit und mit Erde, die mein Herzmensch sackweise hier die Treppen hoch geschleppt hat, aufgefüllt. Den „Rasen“ in den Kübeln hab ich umgedreht als Basis in den Thermokomposter gelegt – eine gute Entscheidung.
Weil ich nicht warten konnte, wurde der an der Hauswand stehende Kübel mit einer Ährigen Felsenbirne und Astern bepflanzt. Und die Kühlkeimer wurden gesät – die Basis der heutigen 5 Präriekübel. Ich hab die Bilder vor meinem inneren Auge gesehen, wie meine kleine Prärie im Sommer überquillt – Farben, Düfte, sich im Wind wiegende Gräser, Sumsi & Brumsi.
Achtung, Spoiler-Alarm: Es hat geklappt und es ist ein Traum. (Schau Dir gerne die Sommer-Beiträge von 2021 an – unglaublich.)
Im Frühjahr 2020 ging es dann los mit Sträuchern pflanzen, um in naher Zukunft der vollsonnigen heißen Dachterrasse im Sommer zu einem angenehmeren Klima zu verhelfen. Dazu einige Stauden – und ich habe gesät wie eine Wilde, Stauden zur Herbstpflanzung. Und wieder hat der Herzmensch Erdsäcke geschleppt.
Ach ja, und tausend Wurmlinge (Kompostwürmer) sind eingezogen. Die sind übrigens ziemlich agil 😊. Wenn ich einen Pott verschiebe, sind welche drunter … Wenn es regnerisch ist, gehen die aus ihrem Kompost auf die Wanderschaft – sie sind überall. Ob die mit dem Brain verwandt sind?
Im darauffolgenden Herbst wurden Blumenzwiebeln gepflanzt – viele sind nix geworden, weil der falsche Standort – auch als Pflanzen-Nerd lernt man dazu 😊. Die 75 Kugellauche haben sich allerdings mehr als gelohnt, wie man jetzt sieht.
Die Jungstauden, die über den heißen Sommer gehätschelt wurden, sind in ihre Pöttlinger gezogen – etliche davon in Muttis Garten, weil einfach viel zu viele. Hab ich schon gesagt, dass Selbersäen unermessliche Fülle bedeutet? Und zwar für wenig Geld? Und die Meditation beim Vereinzeln der Winzlinge gibt es kostenlos noch obendrauf. 😊
Was soll ich sagen … hat es sich gelohnt? Welche Frage … so sinnfrei, wie nur Menschen denken können. Jedes Schleppen, jedes Zupfen, jedes Gießen, jede einzelne Sekunde dessen, was manche Menschen „Arbeit“ nennen – für mich aber die pure Freude & Lust ist, hat sich nicht nur fürstlich gelohnt – es ist unfassbar, was man in so kurzer Zeit an Fülle, an Leben erschaffen kann – selbst erschaffen. Schöpfer im wahrsten Sinne dieses Wortes.

Hier tobt das Leben

Spannende Erlebnisse jeden Tag … und in diesem ultra-trockenen Sommer 2022 ist diese Terrasse wie eine Oase. Ja, Ludwigshafen ist unfassbar grün – würde man gar nicht glauben, ist aber so. Und es gibt hier viele Seen und es gibt den wunderbaren Rhein. Ich schaue von meinen Fenstern auf viele große Bäume und es gibt einige Naherholungsgebiete rundherum.
Und doch – die Natur hat dieses Jahr unfassbar gelitten. Alles dürr. Hier nicht. Und dank des Mixes aus heimischen Wildpflanzen und Trockenliebhabern in Kombination mit nordamerikanischen Präriepflanzen, dazu einige Mittelmeer-Trockenliebhaber und Steppen-Schönheiten hält sich der Gießaufwand in Grenzen. Dazu kommt mulchen, mulchen, mulchen und selber kompostieren. Man kann viel machen, wenn man mit der Natur zusammenarbeitet.

Zusammenleben auf engem Raum

Neben verschiedenen Wildbienen gibt es hier Massen von Hummeln. An den besonders heißen Tagen, so ab 35 Grad am Nachmittag, kommen sowohl Hummeln als auch Grabwespen herein, um sich abzukühlen. Es gab etliche Tage, an denen die Gardine zur Hummelschaukel wurde und an den Wänden Grabwespen und Hummeln saßen, sich einige Minuten abkühlten und dann wieder rausflogen. Eine spannende Erfahrung.
Die Holzbienen sind auch wieder da, unfassbar viele Käfer, die üblichen Wanzen – dazu dieses Jahr die tropische grüne Reiswanze, die übrigens ziemlich hübsch ist und hier keine Schäden verursacht hat – ab und zu eine Libelle, das kolibriähnliche Taubenschwänzchen, etliche Schmetterlingarten, Raupen und natürlich Wespen, verschiedene Arten. Die harmlosen Feldwespen sitzen hier übrigens in den Wiesensalbei-Horsten. Sie sitzen da drin, man sieht sie erst, wenn man die Pflanzen gießt, dann kommt einem eine Wolke dieser langbeinigen Wespen entgegen. Die „normalen“ Wespen füttere ich mit Obst. Es gibt eine Stelle etwas abseits, da lege ich dann Obststücke hin. Melonenschalen mit noch etwas Frucht dran, angedatschte Pflaumen oder schon angefaulte Äpfel mögen sie besonders. Unfassbar wie viele Wespen auf 10 Quadratzentimeter Apfel passen 😊.
Die Wurmlinge vom März 2020 gibt es auch immer noch und sie haben die Dachterrasse ganz Pinky-und-Brain-mäßig erobert. Kein Fleckchen, wo keine sitzen. Das sind natürlich nicht mehr dieselben, sondern Nachkömmlinge in verschiedenen Stadien ihres Seins. Ein sich selbst erhaltendes System ist das. Einfach schön zu erleben.

Gemüse

Jein. Manches funktioniert – dazu gehören Tomaten, Peperoni usw. Kräuter natürlich, mit Ausnahme von Schnittlauch, der stirbt hier den Heldentod, habe verschiedene Sorten und Plätze ausprobiert, einfach viel zu heiß. Ich werde im Frühjahr jetzt noch den hundsgewöhnlichen selber säen und ihn an einen jetzt vorhandenen etwas schattigeren Platz pflanzen. Dort, wo auch die Hosta lebt.
Manches funktioniert zu bestimmten Zeiten – Frühjahr bis Juni ist super. Sommer keine Chance für Salat, Radieschen & Co.
Herbst und Winter – normalerweise bestimmt, letzten Winter ja. Dieses Jahr schaun wir mal. Es ist noch heute zu heiß zum Säen. Es soll kühler werden, also werde ich es probieren und meine vielen, vielen Samen noch teilweise aussäen. Was noch was wird – super, wenn nicht, dann nicht. Wenn der Winter schön mild wird wie letztes Jahr, klappt das noch.

In diesem Sinne wünsche ich Euch wunderschöne sonnige und jetzt folgende regnerische Spätsommertage (wer Blumen will, muss Regen lieben). Ich bin bereits in Planung für noch einige Töpfe. Ein paar mehr gehen noch 😊.

Herzensgrüße Bettina

P.S. Wassemangel

Eine Herzensangelegenheit, weil ich dieses Jahr so oft in Gartengruppen Beiträge gesehen habe von Menschen, die ihre Gärten mit trauerndem Herzen vertrocknen ließen, weil es die Propaganda über den Wassermangel so wollte.
Erstens: Gärten sind unversiegelte Flächen. Das dort ausgebrachte Wasser fließt wieder dem Grundwasser zu. Was man von dem von der Industrie und Autowaschanlagen und sonstigem Unsinn verbratenen kostbaren Nass nicht behaupten kann – das fließt in die Kläranlagen … nicht zum Grundwasser wie das unserer Gärten.
Zweitens: Es nützt uns Menschen nix, absolut gar nix, wenn wir unsere Gärten nicht gießen und die letzten der ohnehin dezimierten Insekten und damit einhergehend die komplette Nahrungskette ebenfalls den Heldentod sterben. Und wir dann, weil die Vögel keine Nahrung finden, weil alles verdorrt ist, dann Vogelfutter rauspacken, weil wir Vögel lieben. Die Futterproduzenten brauchen auch Wasser … Wir leben also einen Umweg – wie bei so vielem in diesem irrsinnigen System.
Ja, ich bin für Vogelfütterung – aber lasst uns um Himmels Willen nicht nur Vogelfutter rauspacken und Wasser, sondern auch unsere Pflanzen gießen, die die gesamten Wildtiere inklusive Insekten DIREKT nähren können … Direktes Leben … kein Umweg über Geld … Geht übrigens bei ziemlich vielem 😉
Drittens: Am meisten Wasser sparen wir, wenn wir so wenig wie möglich konsumieren. Bedenke: Für eine einzige läppische Jeans oder ein T-Shirt werden tausende Liter Wasser gebraucht – und zwar nur bei der Produktion. Vom Anbau des Wassersäufers Baumwolle in trockenen Gegenden reden wir dabei jetzt mal nicht. Oder Avocados und Frühkartoffeln aus Israel, wofür der Jordan leergepumpt wird. Oder, oder, oder …
Für jedes einzelne Produkt, das ich habe und weiterverwende, reparieren lasse und nicht neu kaufe. Für jedes Produkt, das ich NICHT kaufe … spare ich mehr Wasser, als ich das ganze Jahr auf meiner Dachterrasse an meine insektenfreundlichen Pflanzen vergieße.
Viertens: Lasst uns nicht alles glauben, was uns Hinz & Kunz erzählen, sondern selbst beobachten, selbst unsere Schlüsse ziehen, selbst darüber nachdenken und nachfühlen und dann aufgrund unserer eigenen Erfahrung dementsprechend bewusst, liebevoll, ganzheitlich und ECHT nachhaltig (nicht grüngewaschen) handeln.






Bettina
Bettina
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