Sommer Juni 2024

Fülle – die Töpfe und Hochbeete überquellend – das ist die Sommersonnenwende im Juni – der Sommer ist da. Wenn ich vom Schreibtisch aus durch die große Terrassentür nach draußen schaue, sehe ich einen Garten – keinen Balkon, keine Dachterrasse. Ich sehe nur grün und bunt mit einigen grauen Akzenten dazwischen. Wir sind jetzt im fünften Jahr … und als wir hierher gezogen sind, war nix. Hier könnte Ihr Euch die Anfänge noch mal anschauen. Eine spannende Entwicklung …

Sommersonnenwende

Sommer | Fülle – die Töpfe und Hochbeete überquellend – das ist die Sommersonnenwende im Juni – der Sommer ist da. Wenn ich vom Schreibtisch aus durch die große Terrassentür nach draußen schaue, sehe ich einen Garten – keinen Balkon, keine Dachterrasse. Ich sehe nur grün und bunt mit einigen grauen Akzenten dazwischen. Wir sind jetzt im fünften Jahr … und als wir hierher gezogen sind, war nix. Hier könnte Ihr Euch die Anfänge noch mal anschauen. Eine spannende Entwicklung …

Sommer | Garten – Dachterrasse/Balkon: Unterschiede, Vorteile und Nachteile

Wenn ich dann am Morgen nach draußen trete, wird das Gefühl von Garten noch deutlicher. Das Grün und Bunt quillt jetzt im Sommer förmlich aus den Töpfen und ich schlängle mich dazwischen hindurch, halte einen Stengel des Kugellauchs zur Seite, weil eine Hummel drauf sitzt und ich sie nicht stören will. Wahrhaftige Freude. Und auch vom Sitzplatz aus bleibt die Illusion eines unfassbar schönen Gartens. Aber … eigentlich sieht es – mal davon abgesehen, dass alles in Behältern wächst – mehr nach DEM Garten aus, den ich in unserem vorherigen Garten immer haben wollte … und was mir nie gelungen ist. Die Töpfe lassen ein dichteres Pflanzenwachstum zu, weil sie press aneinander stehen. Die Vielfalt ist größer, weil ich jedem Topf individuell nach Anspruch behandeln kann. Vieles ist so möglich, was im Garten nicht möglich war. Der wilde Mix von Pflanzen mit völlig unterschiedlichen Vorlieben und Ansprüchen – Kräuter neben Sumpfpflanzen, Gemüse neben Prärieschönheiten neben Wildpflanzen … und so weiter.
Ja, nicht alles ist möglich im Kübel, Pfingstrosen und Walnussbaum müssen draußen bleiben als Beispiel. Aber für mich, die ich nun beides miteinander vergleichen kann, ist das Fazit glasklar: die Dachterrasse ist auf vielen Ebenen angenehmer und schöner.
Allerdings – ich habe hier auch den Luxus von 55 m² und einer grandiosen Statik, weil Spezialbeton – da ist vieles möglich, was auf vielen Balkonen nicht geht – zum Beispiel mehrere Hochbeete und sogar ein 320-Liter-Thermokomposter.
Das allergrößte Plus für mich ist jedoch, dass das Insektenleben auf meiner Augenhöhe passiert – ich erlebe hier so vieles Wunderschöne, das in unserem wilden Garten sicher auch vorhanden war, aber ich habe es nicht mitbekommen. Der Nachteil ist, dass ich auf Eidechsen und Kröten, die wir vorher hatten, verzichten muss.

Das Leben der Kleinen

Auch hier, jetzt im fünften Jahr pulsiert das Leben. Waren schon die letzten Sommer eine Freude, so ist es jetzt so unfassbar wundervoll. Das größte meiner Wunder gleich vorneweg – wir haben Holzbienen – nicht nur zu Besuch im Restaurant, sondern fest eingezogen im Hotel Holzstapel. Drei Stück dieser wunderschönen Tiere habe ich zeitgleich sehen können. Und sie nisten im ehemaligen Brennholzstapel, den wir liegen haben lassen zum Verrotten als Totholz wegen der Insekten. Es hat sich gelohnt. Im letzten Sommer haben Pilze angefangen, den Stapel zu erobern (Bild Totholz) und jetzt nisten Holzbienen drin. Wir haben auch ziemlich viele Käfer und anderes Getier, das dort logiert.
Ich wiederhole mich, wir sind jetzt im fünften Jahr – ein Gleichgewicht hatten wir schon die letzten 2-3 Jahre. Aber dieses Jahr ist es absolut großartig. Ich habe noch keine einzige Blattlaus gesehen, außer, wenn ich Salat schneide und wasche. Aber draußen nicht … Jede Menge Marienkäfer – heimische und die anderen – und Larven von beiden – aber keine Blattläuse.
Viele verschiedene Hummeln und Wildbienen von klitzeklein bis groß – ich kenne die Namen nicht, ich genieße es nur, achte auf sie und schätze sie wert, so sehr ich auch nur kann.
Über die Schnecks philosophiere ich beim Gemüsethema ein wenig.

Gemüse, Kräuter und Beeren

Die dieses Jahr neu dazugekommenen Hochbeete bewähren sich und beglücken uns durch größere Vielfalt. Seit März konnte ich uns von draußen mit Salat versorgen. Jetzt darf noch der sich selbst ausgesäte in den Terrassenritzen dran glauben und dann können wir von den in den Hochbeeten gesäten zweiten Tranche die ersten Blätter abmachen.
Die angesäten Pflücksalate sind der Hitze zum Opfer gefallen – nicht gekeimt. Ich warte jetzt bis Sonntag, da pausiert der Sommer kurz, und säe drinnen nach. Auch gleich die Herbstsalate Radicchio und so weiter säe ich dann vor.
Die ersten Hochbeet-Bewohner sind verspeist – darunter Zuckererbsen, die fünf Mahlzeiten ergaben und die wunderschönen Markerbsen in ihren lila Schoten, von denen ich sogar welche eingefroren habe. Der Platz der Zuckererbsen ist mit Flower Sprouts belegt worden, welche die im Boden gespeicherten Stickstoff-Vorräte der Erbsen gut nutzen werden.
Der grüne Blumenkohl ist nächste Woche „dran“ und dann ziehen auch schon die Herbst- und manches Wintergemüse ein.
Die Schalotten sind wunderbar geworden – ich werde sie nächste Woche ernten. Die Karotten sind mangels Licht ob des völlig ausgearteten Blumenkohls nix geworden. Die wunderbaren italienischen roten Lunga-Zwiebeln sind ein Gedicht. Auch Zwiebeln säe ich noch einmal nach. Und natürlich Winterkarotten … und viele Kohlarten, darunter lila Blumenkohl. Palmkohle sind gepflanzt, Stangensellerie, Buschbohnen, der erste Lauch.
Und natürlich Kirschtomaten, Paprika (die ersten lila ist reif), Gurken, Peperoni und Chilis. Kräuter ernte ich seit dem Frühjahr, von so manchem habe ich auch welches getrocknet, zum Beispiel Berge von Zitronenmelisse.

Im Frühjahr eingezogen sind die ersten Beeren – Walderdbeeren, Monatserdbeeren (nur einige zum Versuch), Zwerg-Brombeere, eine weiße Johannisbeere, eine rote Zwerg-Himbeere und die Zwerg-Himbeere Orangelina. Der Hit …

Alles was geworden, die vorgesehenen sechs Erdbeerkübel werde ich also im Sommer mit Monatserdbeeren Mara de Bois bepflanzen. Bislang dienten sie in der Zwischenkultur als Salat-, Zwiebel- und Baby-Beets-Behältnisse. Dazu werden im Herbst zwei Heidelbeeren, eine süße Zwerg-Cassis und eine Zwerg-Maulbeere einziehen.

Ich bin noch auf der Suche nach einem echten Weinbergpfirsisch. Wer welche hat – ich wäre superdankbar für einen Stein oder eine Jungpflanze. Vielleicht kann ich mit Gemüse-Jungpflanzen dienen?

Gemüse und Schnecken

Ich füge hier jetzt mal die Schneckenthematik ein … Noch im letzten Jahr habe ich, wann immer ich so eine winzige kleine Salat-Nacktschnecke im gekauften Salat gefunden habe, diese rausgetragen und in eine Pflanze gesetzt. Ja, tatsächlich, ich liebe diese Schleimer einfach … Okay, diese verursachen praktisch keine „Schäden“. Und ein kürzlich geernteter Salat wies auf einem der Außenblätter kleine gelbe Eier auf – und ja, tatsächlich habe ich das Salatblatt wieder raus ins Hochbeet gebracht.
Im letzten Jahr habe ich dann plötzlich überall winzig kleine Gehäuseschneckchen gefunden – und sie auch gelassen.
Dieses Jahr … ist das eine kleine Invasion. Ich habe recherchiert und es sind junge Kapuzinerschnecken. Hübsch sind sie, superputzig – und unglaublich gefräßig … Löcher in den (riesigen) Blumenkohlblättern (macht nix), in den Buschbohnenblättern (okay, durchatmen) – und ein kleines Massaker beim Stangensellerie-Kraut (so geht das nicht) … Ich hab mich also aufgemacht, sie einzusammeln. Mehrere Handinnenflächen voll kleiner Kapuzinerschnecken habe ich in den Komposter gebracht (dort gibt es genug Gefräß und hat ja im Garten auch funktioniert). Ehrlich – ich bin da draußen bei Regen barfuß rumgehüpft und hab diese kleinen wuseligen Schneckchen in der Hand eingesammelt – und hab so gelacht, so unglaublich gelacht. Es war irgendwie einfach schön, jawoll. Und – ich lass dem jetzt seinen Lauf – natürlich unter Beobachtung – und schau mal, welche Fressfeinde es hier oben für die Schleimer gibt … Ich bin mir sehr sicher, auch das wird sich regulieren.

Blumen – Vielfalt

Hier wächst ein breitgefächertes Repertoire von blühenden Sträuchern, Weiden-Bäumchen, Gräsern, Kräutern und den verschiedensten Blumen. Ich habe viele heimische Wildpflanzen, Sorten von heimischen Wildpflanzen, hier heimische Blumen, mediterrane Schönheiten und eine meiner Lieben, die Präriepflanzen. Alle werden hervorragend angenommen und gut besucht. Ich habe ausschließlich insektenfreundliche Pflanzen, bevorzugt Stauden – einige wenige Einjährige wie die Ringelblume und Cosmeen sowie Zinnien sind auch dabei.
Ja, die Wildpflanzenvielfalt wächst hier von Jahr zu Jahr – und die Insektenvielfalt auch. Und ich liebe meine Wilden – viele davon sind ja auch Heilpflanzen und werden von uns auch konsumiert. Ja, ich habe eine Brennnessel angesiedelt und einen panaschierten Giersch gekauft – eben wegen der Insekten.
Aber auch ein Ja, ich bin ein sehr großer Befürworter von Vielfalt und absolut kein Pflanzenrassist … Bei mir hier hat jedes einzelne Gewächs eine liebevolle Heimat und seinen Sinn … Und die Vielfalt an Insekten bestätigt mir das.

Ein Loblied auf die Generalisten

Ich habe übrigens auch kein Problem mit den mittlerweile sogar gescholtenen „Generalisten“, denen man jedes Pollenkörnchen und jeden Nektartropfen irgendwie fast schon missgönnt … in gewissen Kreisen …
Und nein, dafür habe ich absolut kein Verständnis. Wir (also ich nicht) sind hier in dieser ach so modernen Welt so sehr von „Spezialisten“, „Experten“ (oh Gott, mich graust es schon bei diesem Wort) und sonstwelchen „Besseren“ in allen Sparten unseres Seins angefixt …, dass wir die Generalisten nicht mehr wertschätzen.
Ich sehe das komplett und zur Gänze anders – und zwar in allen Bereichen unseres Seins … Ich lasse jedoch den alltäglichen Bereich jetzt mal weg, weil er nichts mit dem Thema zu tun hat (es kann der ein oder die andere ja mal darüber nachdenken, welche Vorteile jemand bietet, der vieles kann …) … und beschränke mich auf die Bestäuber-Generalisten … WAS bitte schön soll nicht gut daran sein, wenn eine Hummel oder eine Wildbiene vieles bestäubt und nicht nur auf eine Pflanze spezialisiert ist … Davon mal abgesehen – hier beispielsweise, da draußen – gibt es keine Glockenblumen – gar keine, überhaupt keine. Und obwohl ich also Glockenblumen gepflanzt habe, weil ich die liebe, werde ich nicht in den Genuss einer auf Glockenblumen spezialisierten Wildbiene kommen … denn die wird es hier mangels passenden Gefräßen einfach nicht geben … Es ist also absolut sinnlos, irgendwas bei mir zu pflanzen, in der Hoffnung, einen der hochgeschätzten Experten anzulocken – den es hier im Umkreis gar nicht gibt. Spannend finde ich, dass die gleichen Leute mit den Lobliedern auf die seltenen Spezialisten erzählen, dass Wildbienchen einen sehr kleinen Radius von manchmal nur 50 Metern haben …
Erkennt jemand außer mir diesen Widerspruch? Was es hier also nicht gibt, das kann ich auch nicht anlocken und fördern … Klar soweit, gelle …
Davon mal abgesehen … 70 Prozent (SIEBZIG PROZENT) unseres Obstes und Gemüses wird bestäubt … und das meiste davon – Achtung, Tusch: TATAAAAAAAAAAA – von den Hummeln, sprich, den gescholtenen Generalisten.

Also wie gesagt – ich liebe heimische Wildpflanzen, ich liebe Präriepflanzen, mediterrane Pflanzen, Steppenpflanzen, Gemüsepflanzen, Obstpflanzen, Gräser, Kräuter … und so weiter – und genau so liebe ich alle Insekten – und allen stelle ich gerne und mit sehr viel Liebe und Enthusiasmus mein Terrain zur Verfügung.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen wunderschönen Sommer mit Sonne und Regen und Wind und Wolken und Duft und Farbe und Summen und Brummen und Flattern und Genuss. Ich für meinen Teil liebe jede Minute, in der ich meine Finger in die Erde stecken und ein Bienchen oder Hummelchen stalken kann.

Ich umarme Euch virtuell und flüstere Euch mein Motto ins Ohr: nur ein einziger Topf ist ein ganzes Universum.

Herzensgrüße Bettina

Bettina
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